Kurz gesagtDas sollten Sie wissen
- Die US-Verbraucherpreise stiegen im August um 0,4 % und im Jahresvergleich um 3,4 %, doch die Jahresrate der Kerninflation sank von 2,5 % auf 2,4 %.
- Fed-Funds-Futures preisten am Montag rund 87 % Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte am Mittwochabend ein.
- Am Mittwoch fallen US-Einzelhandelsumsätze, die EIA-Öllagerdaten und der Fed-Zinsentscheid zusammen – mit neuen Prognosen und Kevin Warshs Pressekonferenz um 20:30 Uhr MESZ.
- Die EZB hat ihren Einlagensatz gerade erst auf 2,50 % angehoben, und mehrere Notenbank-Reden diese Woche könnten zeigen, ob das bereits der letzte Schritt war.
- Die Inflationsdaten der Eurozone am Donnerstag dürften die Jahresrate von 3,3 % bestätigen, während die Bank of Japan am Freitagmorgen voraussichtlich die Zinsen anhebt.
- Da diese Woche keine Zahlen der Magnificent Seven anstehen, bekommt das Makrobild ungewöhnlich wenig Konkurrenz von Unternehmensnachrichten.
Die US-Aktienmärkte erholten sich am Freitag, doch S&P 500 und Nasdaq beendeten dennoch eine schwache Woche. Gleichzeitig lag die Zehnjahresrendite nahe fünf Prozent, und Öl notierte über 100 $.
Die US-Verbraucherpreise stiegen im August um 0,4 Prozent und im Jahresvergleich um 3,4 Prozent. Die Kern-Verbraucherpreise legten im Monatsvergleich um 0,3 Prozent zu, doch die Jahresrate sank von 2,5 auf 2,4 Prozent. Es war mit anderen Worten kein breiter Inflationsschock. Das Problem lag in der Zusammensetzung: Energie verteuerte sich um 2,1 Prozent, Benzin um 3,9 Prozent und Heizöl innerhalb eines einzigen Monats um 10,1 Prozent.
Die Zahlen kamen einen Tag, nachdem die Erzeugerpreise eine Jahresrate von 5,4 Prozent gezeigt hatten. Zusammen mit dem Ölpreis und einem weiterhin stabilen Arbeitsmarkt reichte das, um den Zinsmarkt zu bewegen. Am Freitag preisten Fed-Funds-Futures laut Reuters eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 80 Prozent für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte ein. Bis Montag war die Einpreisung auf rund 87 Prozent gestiegen.
Montag: Die EZB versucht, den weiteren Weg zu erklären
Die Woche beginnt ohne große US-Daten, dafür mit mehreren Reden der Europäischen Zentralbank. Isabel Schnabel, Piero Cipollone und Christine Lagarde stehen alle im offiziellen Kalender der EZB.
Die Reden folgen nur vier Tage, nachdem die EZB ihre Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben hatte. Der Einlagensatz liegt nun bei 2,50 Prozent. Die Notenbank rechnet 2026 mit einer Inflation von 3,0 Prozent und einem Wachstum von 0,9 Prozent. Die EZB betonte, dass die Inflationsrisiken nach oben, die Wachstumsrisiken dagegen nach unten zeigen.
Für europäische Zins- und Indexfutures stellt sich die Frage, ob 2,50 Prozent eine vorübergehende Pause oder nur die nächste Stufe ist. Hawkishe Signale von Lagarde oder Schnabel könnten die Bund-Renditen anheben und den Euro stützen, gleichzeitig aber europäische Aktien unter Druck setzen.
Dienstag: China und deutsche Erwartungen
Der Dienstag ist vor der Fed-Entscheidung der wichtigste Tag für das Rohstoff- und Wachstumsbild. China veröffentlicht Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze, Investitionen und Arbeitslosigkeit. Die Industrieproduktion soll im Jahresvergleich um 4,8 Prozent steigen, während die Einzelhandelsumsätze nur um bescheidene 0,8 Prozent zulegen dürften. Das Investitionswachstum wird weiterhin negativ erwartet.
Eine stärkere Industrie ohne entsprechenden Konsum könnte die Rohstoffnachfrage stützen, würde aber zugleich bestätigen, dass Chinas Wachstum weiterhin unausgewogen ist.
In Europa soll der deutsche ZEW-Index von 34,2 auf 40 steigen, während die Einschätzung der aktuellen Lage weiterhin sehr schwach bleibt. Das passt zu einem europäischen Bild, in dem sich die Erwartungen schneller verbessern als die tatsächliche Industrieproduktion.
Mittwoch: erst der Einzelhandel – zuletzt die Fed
Der Mittwoch ist mit Abstand der wichtigste Handelstag der Woche. Um 14:30 Uhr MESZ werden die US-Einzelhandelsumsätze veröffentlicht. Die Gesamtumsätze sollen im August nach einem Rückgang von 0,6 Prozent im Juli um 0,8 Prozent steigen, während die Umsätze ohne Automobile um 0,5 Prozent zulegen dürften.
Ein starker Bericht könnte zeigen, dass die Wirtschaft höhere Zinsen verkraftet, würde es der Fed aber zugleich erschweren, für Vorsicht zu plädieren. Ein schwacher Bericht könnte Treasury-Futures stützen, würde ES aber nicht zwangsläufig helfen, sollte der Energieschock die Realeinkommen belasten. Das Census Bureau veröffentlicht den Bericht.
Um 16:30 Uhr MESZ folgen die wöchentlichen Öllagerdaten der EIA. Der Markt erwartet einen Rückgang sowohl bei Rohöl- als auch bei Benzin- und Destillatbeständen. Nach der kräftigen Ölrally erhalten die Lagerdaten zusätzliches Gewicht: Neue Rückgänge könnten die Angebotssorgen verstärken, während ein Lageraufbau Gewinnmitnahmen auslösen könnte. Geopolitik und der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus könnten die US-Lagerbewegungen dennoch überlagern.
Um 20:00 Uhr MESZ folgt der Zinsentscheid. Die Federal Reserve bestätigt, dass die Sitzung am 15. und 16. September neue Wirtschaftsprognosen umfasst. Eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte würde die Zielspanne von 3,50–3,75 auf 3,75–4,00 Prozent anheben.
Die Erhöhung selbst ist größtenteils eingepreist. Entscheidend werden deshalb der Zinspfad, die Inflationsprognosen und Warshs Botschaft um 20:30 Uhr MESZ sein. Deutet die Medianprognose auf weitere Erhöhungen hin, könnten Treasury-Futures weiter fallen, der Dollar sich festigen und NQ stärker unter Druck geraten als ES. Eine „vorsichtige Erhöhung", bei der Warsh die Unsicherheit betont und die Tür für eine Pause offen lässt, könnte die gegenteilige Reaktion auslösen.
Donnerstag: Europa bestätigt das Inflationsbild
Am Donnerstag folgen endlich die Verbraucherpreise der Eurozone. Die Jahresrate soll bei 3,3 Prozent bestätigt werden, die Kerninflation bei 2,4 Prozent. Größere Revisionen sind unüblich, doch die Komponenten werden nach der EZB-Zinserhöhung genau unter die Lupe genommen. Der Markt wird darauf achten, wie viel des Anstiegs auf Energie zurückzuführen ist und ob die Dienstleistungsinflation weiterhin zu zäh ist.
Aus den USA kommen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Baubeginne, Baugenehmigungen sowie der Industrieindex der Philadelphia Fed. Jede einzelne Veröffentlichung ist nach einer FOMC-Sitzung normalerweise zweitrangig, doch zusammen können sie testen, ob Warshs Einschätzung des Wachstums trägt.
Freitag: Industrie und die Bank of Japan beschließen die Woche
Am Freitag soll die US-Industrieproduktion um 0,3 Prozent steigen, während die Kapazitätsauslastung auf 76,4 Prozent zulegen dürfte. Ein starkes Ergebnis nach hohen Einzelhandelsumsätzen würde das Bild einer robusten Wirtschaft stützen, könnte aber auch die Zinsen weiter anheben. Schwache Zahlen würden bei anhaltend hohem Ölpreis ein stärker stagflationär gefärbtes Bild ergeben.
Noch bevor Europa öffnet, steht die Zinsentscheidung der Bank of Japan an. Eine erwartete Erhöhung von 1,00 auf 1,25 Prozent könnte den Yen stärken und Bewegung in die globalen Anleihemärkte bringen.
Diese Woche stehen keine Zahlen der Magnificent Seven an. Damit bekommt das Makrobild ungewöhnlich wenig Konkurrenz von Unternehmensnachrichten. Für NQ, ES, Gold und Treasury-Futures liegt der natürliche Schwerpunkt am Mittwochabend. Bei Öl ist das Risiko dagegen kontinuierlicher: Jede Nachricht zu Produktion, Pipelines oder Schifffahrt kann das Preisbild verändern, bevor der Kalender überhaupt dazu kommt.
Die zentrale Frage der Woche ist deshalb nicht nur, ob die Fed die Zinsen anhebt. Es geht darum, ob die Notenbank die Erhöhung als notwendige Versicherung gegen energiegetriebene Inflation darstellt – oder als Beginn eines neuen Straffungszyklus. Dieser Unterschied könnte entscheiden, ob sich die Erholung am Aktienmarkt vom Freitag fortsetzt oder ob die Zinsnervosität erneut die Kontrolle über den Futures-Markt übernimmt.
Risikohinweis
Dies ist eine allgemeine Marktkommentierung, keine persönliche Anlageberatung. Futures sind gehebelte Instrumente mit einem hohen Risiko.